Mittwoch, 15. März 2017

Powderdays im Ski Onesie

Den Winter verbringe ich am liebsten auf Skiern. Da habe ich auch kein Problem damit, wenn es kalt ist und es schneit ohne Ende. Was in der Stadt eher nervig werden kann, bedeutet für mich auf dem Berg, je mehr umso besser.

Bei mehr als einem Hobby bleibt es dann nicht aus, dass sie irgendwann aufeinander treffen. So ist es bei mir mit dem Skifahren und dem Nähen passiert. Liegt es da nicht auf der Hand das passende Ski-Outfit selbst zu nähen? Meine Erfahrungen mit gekaufter Outdoorkleidung und was sie mit bunten Müllsäcken auf sich hat, habe ich im vorherigen Post schon angesprochen. Da nehme ich das Thema lieber selbst in die Hand.


 

Einige Fragen sich sicherlich, warum es ausgerechnet ein Onesie sein muss? Haben doch die 80er Jahre zu Hochzeiten von "Fire & Ice" ordentliche Fashion-Kopfschmerzen verursacht. Danach ist zur Freude Vieler der Einteiler in der Versenkung verschwunden. Aber der One-Piece Suit hat einen unschlagbaren Vorteil vor allem im Tiefschnee: man bleibt auf alle Fälle trocken. Außerdem ist die Klamotte im Nu abgestimmt, kein Mix und Match der Ski Jacke und Hose mehr. Einfach reinspringen und los geht's auf die Piste.



Ein Schnittmuster für einen Onesie, der nicht aus der Zeit gefallen ist, gibts natürlich nicht zu kaufen, für Outdoorprojekte noch weniger. Die 80er-Jahre Nostalgiker haben da mehr Glück, hier gibt's einen Schnitt von Green Pepper. Die Nachbildung der Bogner-Retro Kollektion stand für mich jedoch außer Frage.

Ich musste also selbst tätig werden. Mit Draping-Tape und Schnittmusterpapier bewaffnet habe ich den Schnitt meiner alten Burton Jacke und meiner Skihose abgenommen. Damit hatte ich schonmal einen guten Ausgangspunkt. Die Jacke habe ich noch etwas optimiert und etwas mehr Weite für Bewegungsfreiheit und diverse Kleidungsschichten eingearbeitet. Meine alte Skihose hat allerdings zu keinem brauchbaren Ergebnis geführt und ich hab kurzer Hand eine Männer-Boardshorts als Schnittmuster Inspiration verwendet. Noch ein paar Zentimeter in der Länge an die Hosenbeine dran,  ein paar Taschen und Spezialfeatures und fertig war der Overall.

Diese Features durften auf keinen Fall am Onesie fehlen:

- Kapuze mit Verstärkung und Verstellung
- Kinnschutz aus Fleece
- Skipasstasche
- geräumige Hosentaschen
- Klettverschlüsse zur Weitenverstellung an den Ärmeln
- Schnitt- und Abriebschutz an den Hosenbeinen
- Innentasche fürs Handy
- Belüftungs-Zipper
 




 



Zuerst habe ich alles am Nesselmodell ausprobiert und den Schnitt fertig gestellt. Damit habe ich ein zweites Probemodell aus einem festeren Stoff, was in meinem Fall eine ausrangierte IKEA-Gardine war, ein weiteres mal genäht. Ich hatte einfach Bammel, dass bei dem Goretex-Stoff irgendetwas schief geht wegen letzten Fehlern im Schnitt oder irgendetwas anderem, was ich nicht 100%ig zu Ende gedacht habe.
So wusste ich am Ende auch, in welcher Reihenfolge ich vorgehen muss. Denn ganz trivial ist das Ganze leider nicht. Alle Nähte müssen am Ende mit Seamtape abgedichtet sein.

Normalerweise bin ich nicht so penibel bei der Nähvorbereitung. So manches mal habe ich es bereut. Dieses mal nicht und ich überlege tatsächlich, ob ich es nicht öfter so machen sollte. Die gute Vorbereitung hat mir wirklich SEHR viel Frust beim Nähen erspart und es lief einfach wie am Schnürchen. Der Einteiler war in einer Woche genäht und mit dem Ergebnis bin ich mehr als zufrieden.

Falls du jetzt Lust bekommen hast Outdoorkleidung zu nähen, habe ich noch diesen Post für dich. Dort findetst du hilfreiche Tipps zu Verarbeitung und Material.

Ski Heil!

* Julia


Verlinkt bei MeMadeMittwoch.

Freitag, 3. März 2017

How To – Outdoor Kleidung aus Membran-Stoff nähen

Goretex, Laminate und Shellstoffe.. es gibt eine neue Kategorie im Stoffhimmel. Wäre es da nicht an der Zeit auch die eigene wetterfeste Regenjacke oder die neue Ski- und Bergkleidung selbst zu nähen? In diesem ultimativen Blogpost über das Thema Outdoor-Stoffe erfährst du, ob es lohnt aktiv zu werden und lernst alles wichtige über die Materialien und die Techniken.




Warum sollte man also so ein (fortgeschrittenes) Projekt auf sich nehmen und seine eigene Outdoorkleidung selber nähen? Wegen dem was uns am Nähen immer wieder begeistert! Es ist einfach aufregend die Farben selbst bestimmen zu können, selbst zu entscheiden, welche Features und extra Taschen man haben möchte und natürlich am Ende unglaublich stolz auf das gemeisterte Stück zu sein. Und vor allem bei den tollen Komplimenten unserer Freunde und den bewundernden Blicken geht unser Schneiderherz auf.
Zwar sind die Zeiten in denen schwarz, braun und oliv die Farben in der Outdoorbranche dominieren längst vorbei und auch die Leute mit auch nur etwas Stilempfinden werden mittlerweile bei Funktionskleidung fündig. Ein Problem besteht aber weiterhin, weshalb es für mich noch einen zweiten Grund gibt, selbst tätig zu werden – die Frage der Passform. Mal im Ernst, kamst du dir beim Anprobieren auch schon mal so vor als hättest du einen leuchtend bunten Müllsack an?

Aber ich möchte ehrlich mit dir sein. Es gibt vielleicht einiges, das du ihr wissen solltet beim Thema Goretex und Co.:
Für manche spielt beim Nähen der Preis eine entscheidende Rolle. Hier kann man leider nicht unbedingt sparen gegenüber gekaufter Kleidung. Die Materialien kosten zwischen 25 – 40€ pro Meter und Reißverschlüsse in wasserabweisender Ausstattung kosten das zwei bis dreifache der normalen Variante. Ist dein Traumteil allerdings die Superhigh-End Goretex Jacke für 500€, kommst du selbstverständlich in der Selfmade-Version günstiger weg.

Geld spielt keine Rolle? Zeit aber schon? Nahezu jede Naht muss von innen abgedichtet werden und das kann leider dauern. Es soll schon so manchen Tennisarm vom Nähteabdichten gegeben haben.
Neben dem Materialeinsatz und der Zeit kann ein Outdoorgear-Projekt noch zusätzliches

Frustpotential bergen. Ist die Naht erst einmal genäht und besonders, wenn sie schon mit Seamtape abgedichtet wurde, ist sie mehr oder weniger endgültig. Fehler können manchmal nur noch schwer gerettet werden.

OK, das schreckt dich nicht ab? Lass uns anfangen! Ich geb dir ein paar Tipps an die Hand, damit dein erstes Projekt ein Erfolg wird.


Die Wahl des Materials


Die Bandbreite der atmungsaktiven Stoffe scheint am Anfang schier unbeherrschbar zu sein. Alleine die Varianten und Bezeichnungen können schnell zu Verwirrung führen. Man kann die Art der Stoffe aber bald ganz gut eingrenzen und in ihre Anwendungsbereiche sortieren. Meist hat einfach nur jeder Hersteller für ein und das selbe Material seine eigene Bezeichnung.

3-Lagen-Laminate: Outdoor-Performance Stoffe erhalten ihre speziellen Eigenschaften durch ihren mehrlagigen Aufbau. Er besteht aus einem wetterfestes Außengewebe, einer dampfdurchlässigen Membran und einem Futter. Diese drei Lagen werden miteinander zu einer Lage verklebt, deshalb bezeichnet man Aktivstoffe auch als Laminate. Beispiele sind unter anderem Gore Tex Performance Shell, Gore Tex Pro Shell oder Polartec Neoshell. Weitere Laminat Hersteller sind auch Dermizax und Sympatex.




2-Lagen-Laminate bestehen nur aus einem Außengewebe und einer Membran. Zum Schutz der Membran muss die Jacke deshalb separat gefüttert werden. Die Vearbeitung ist entsprechend aufwändiger. Die Stoffe sind dagegen leichter zu bekommen.

Seamtape: An jeder Outdoorbekleidung sind die Nähte die Schwachstellen. Durch die Einstichlöcher der Nadel kann die Feuchtigkeit ihren Weg von außen nach innen finden, weshalb alle Nähte von innen mit Seamtape abgedichtet werden müssen.


Aquaguard Reißverschlüsse: Eine spezielle PU-Beschichtung sorgt dafür, dass kein Wasser durch das Band und die Spirale nach innen dringen kann. Der Reißverschluss kommt deshalb ohne einen schützenden Beleg aus.

Stoffe über exremtextil.de; amazon.de oder funfabrics.de
Zubehör über extremtextil.de


Was benötigst du sonst noch?


Wenn du einen passenden Stoffe für dich gefunden hast, kannst du schon fast loslegen. Welche Nähmaschine du hast spielt dabei keine Rolle. Du kannst dir das Leben aber etwas vereinfachen, wenn du einen zusätzlichen Obertransport (z.B. IDT bei Pfaff-Nähmaschinen) verwendest und zusätzlich diese Hilfsmittel parat hast:




1. Teflonfuß: Das ist ein Nähfuß speziell für beschichtete und laminierte Stoffe, der den Transport erleichtert.
2. Mikrotex Nadeln, Stärke 90. Diese haben eine schärfe Spitze als die Standardnadeln und hinterlassen deshalb kleinere Löcher im Material. Durch die Laminate werden die Nadeln allerdings auch schneller stumpf, weshalb sie häufiger gewechselt werden müssen.
3. Hochfestes Polyester-Nähgarn Stärke 80 z.B Alterfil AS80. Das Standard-Polyester Garn ist leider nicht reißfest genug.
4. Mini Bügeleisen: Die kleine Fläche erleichtert dir das Nähte abdichten ungemein und du läufst weniger Gefahr, die empfindliche Shell zu beschädigen.
5. Stylefix: darauf aufpassen nicht dort zu kleben, wo später die Nadel eintaucht. Das kann zu Aussetzern im Stichbild führen.
6. Schnittmuster von Green Pepper: Der Hersteller hat sich auf Schnitte für Outdoorbekleidung spezialisiert. Sie sind kein muss, können dir aber eine Hilfestellung zu der Materialverarbeitung und Nähreihenfolge geben.
7. Wonderclips: Die beste Alternative zu Stecknadeln. Die sind bei diesem Projekt nämlich absolutes No-Go!
8. Schneidergewichte: Ich verwende am liebsten große Unterlegscheiben zum Zuschneiden und Beschweren des Stoffes. Die sind günstiger und handlicher.
9. Prym Trickmarker: Kreide würde ich nicht empfehlen, da die Membran zu leicht beschädigt werden kann durch Druck und Reibung.
10. Ein Holzbrett aus dem Baumarkt.


Zuschneiden und Nähen


Bevor es losgeht und du die Membran anschneidest, empfehle ich dir unbedingt ein Probemodell zu nähen. Spätere Schnittänderungen sind mit dem Originalstoff nicht mehr möglich. Zudem kannst du dich mit dem Probemodell an das Nähen ohne Stecknadeln bzw. mit den Wonderclips gewöhnen.
Wenn der Schnitt sitzt kanns losgehen. Lege alle deine Schnitteile auf den Stoff und zeichne die Nahtzugaben an. Einen Fadenlauf musst du in der Regel nicht beachten. Achte aber darauf, dass du deine Nahtzugaben gleichmäßig (am besten 1cm breit) anzeichnest. Sie werden später deine Ausrichtungs- und Nähhilfe sein.
Beim Nähen musst du dann nur noch darauf achten, dass die Stoffkanten bündig aufeinander liegen und kannst sie an der 1cm Markierung der Nähmaschine oder deinem Kantenlineal entlang führen.
Das Nähen an sich ist nicht viel anders als bei normalen Stoffen. Falls du am Anfang trotzdem Probleme haben solltest ein sauberes Stichbild zu bekommen, verwende unbedingt einen Teflonfuß und verringere schrittweise die Fadenspannung bis das Ergebnis stimmt.



Die Nahtzugaben werden auf 2-3mm zurückgeschnitten und zu einer Seite gelegt. Am besten legst du die Nahtzugaben nach oben. So können Wassertropfen auf der Kleidung nach unten abfließen und bleiben nicht in der Nahtkante hängen. Wenn sich das Material etwas störrisch verhält, kannst du es vorsichtig anbügeln (max. Stufe 1 ohne Dampf).
Nach dem Nähen dichte die Naht am besten direkt ab. Sonst kann es passieren, dass du später nur schwer wieder an die Stelle herankommst. Schneide dazu ein Band ca. 1,5 cm kürzer ab an jedem Ende als die Länge der abzudichtenden Naht. Damit vermeidest du unnötig Dicke Stellen an Nahtkreuzungen


Das Seamtape


Die Verarbeitung von Seamtape erfordert etwas Geduld, ist aber ansonsten relativ einfach. Man kann es super in Kurven legen, denn es verhält sich ein bisschen wie ein Schrägband. Am besten arbeitest du dich in 5 bis 10cm Abschnitten nach vorne. So kannst du das Band sehr gut kontrollieren und Faltenbildung an der Membran vermeiden. Presse das Band mit dem Bügeleisen bei ca. 110 °C, entspricht Stufe 1 unter leichtem Druck ohne große Bewegungen auf. Die besten Ergebnisse kannst du erzielen, wenn du beim Bügeln unter die Naht ein Holzbrett legst.



Wenn das Band abgekühlt ist, prüfe noch einmal an den Kanten, ob wirklich alles festsitzt. Falls nicht, gehe einfach ein zweites Mal mit dem Bügeleisen drüber. Optimal ist, wenn der Kleber am Rand leicht hervortritt.


Reißverschlüsse

Front- und Taschenreißverschlüsse lassen sich am einfachsten von außen einnähen, indem du sie von oben feststeppst. Hier kommt das Wondertape als Allzweckwaffe zum Einsatz. Die Reißverschlussschlitze habe ich leicht angebügelt und mit dem doppelseitigen Klebeband fixiert. Wenn alles ausgerichtet ist und fest angedrückt ist, kann losgenäht werden.







Der Reißverschluss muss nun noch genauso wie die Nähte von innen abgedichtet werden. Wenn du noch mehr zur Verabeitung von wasserdichten Reissverschlüssen nachlesen möchtest, empfehle ich dir diese Seite.

Bist du gut gewappnet mit diesen Outdoor Nähtipps? Ich bin gespannt ob du dir gleich ein Projekt vorgenommen hast. Lass es mich wissen in den Kommentaren. Mein persönliches Projekt Skioutfit gibt's in Kürze hier auf dem Blog.
Falls du noch weitere Inspirationen suchst schaut mal hier: Kape Anlumi's Regenmantel, ein Regenoutfit für die Kids von 19nullsieben oder dieser atmungsaktive Regenmantel.

Lieben Gruß,

* Julia

Mittwoch, 22. Februar 2017

La Fiesta Catrina Kleid - eine Hommage an Frida Kahlo

Noch ist es kalt draußen. Zwar blinzelt die Sonne hin und wieder zwischen den Wolken durch und die Tage werden wieder länger. Bis es wieder richtig Sommer wird dauert es noch ein bisschen. Solange bleibt nur der Gedanke an wärmere Tage. Immer mal wieder erwische ich mich dabei, dass meine Gedanken zum letzten Urlaub in Mexiko und den sommerlichen genähten Werken flüchten. Eines davon war das La Fiesta Catrina - Kleid. Ein paar Details konntet ihr ja schon hier und hier erahnen.







Es war definitiv eines der schönsten Nähprojekte diesen Winter, da einfach der Stoff beim Nähen schon pure Urlaubfreude verbreitet hat. Und außerdem kam mein Lieblingsmaterial Spitze wieder zum Einsatz. Diesmal in einer etwas anderen Technik, die ich noch nicht auf dem Blog gezeigt habe.

Die Bilder sind in Mahahual entstanden. Ehrlich gesagt, der Ort kommt bei vielen Backpackern und Anti-Pauschalurlaubern nicht gut weg. Mindestens zweimal die Woche fallen Horden von Touristen ein, die rießige Kreuzfahrtschiffe am Dock abladen und am Abend wieder einsammeln. Glücklicherweise ist nicht alles der schönen Gegend belagert und wir haben eine absolut traumhafte Ecke für uns gefunden. Wir haben die mühsigen 10km Richtung Süden auf uns genommen und einen idyllischen Abschnitt abseits der Massen in einem kleinen Eco-Ressort gefunden. Ihr werdet lachen, 10km klingt nach gar nichts, aber die Menge der Schlaglöcher machts am Ende aus.

Wir haben jedes mal eine halbe Stunde gebraucht mit dem Auto und waren am Ende jedes mal so durchgeschüttelt, dass wir uns zur Entspannung erstmal eine Chelada oder einen frisch gepressten Ananas Saft am Strand gegönnt haben. Das Leben ist manchmal wirklich hart! Es war traumhaft schön und wir wollten am liebsten noch ewig dort bleiben.


Die Verarbeitung 




Beim Schnittmuster habe ich auf einen meiner bewährten Standard-Schnitte zurückgegriffen und die Rockvariante abgeändert. Die genaue Vorgehensweise könnt ihr in diesem Blogpost nachlesen. Die Besonderheit ist die aus Spitze gearbeitete Rückenpartie mit Abnäher.

Solltet ihr euch jetzt auf die Suche nach den Abnähern machen, muss ich euch leider vertrösten. Sie wurden perfekt versteckt und sind nur noch bei sehr genauem Hinsehen zu erkennen. Ich selbst muss immer erst noch einmal suchen oder von innen nachsehen. Wie das funktioniert? Man verwendet die Appliqué-Technik. Dort wo der Abnäher platziert werden soll, schneidet man entlang des Spitzenmusters auf. Also statt mitten durch die Blüte außen herum. Anschließend wird der Abnäherinhalt zugelegt und entlang des Musters mit der Hand wieder festgenäht. Schon ist er verschwunden.

Die gleiche Technik kann man auch für Saumabschlüsse und Ausschnittkanten verwenden. Für den Halsausschnitt habe ich mir ein schönes Muster aus der Bogenkante des Spitzenstoffes ausgeschnitten und passend auf den Ausschnitt gelegt, appliziert und die restliche Spitze herausgetrennt. Den Vergleich zur "normalen" Verarbeitung könnt ihr ganz gut an den Armausschnittkanten erkennen.

Hier habe ich auf die Appliqué-Technik verzichtet und eine gerade Kante bevorzugt. Allerdings kann man Spitze nicht einfach abschneiden und einschlagen, wie bei einem normalen Stoff. Also kann man schon - mit etwas Geduld, aber man würde einen dicken breiten Streifen rund um das Armloch sehen. Und jede Schneiderin kennt das... das Auge bleibt richtig darauf kleben.
Um ungewollte Aufmerksamkeit an der falschen Stelle zu vermeiden, habe ich deshalb die Kanten mit einem hautfarbenen Schrägband eingefasst und mit wenigen Handstichen innen befestigt.

Das war auch beim seitlichen Reißverschluss nötig auf der Seite der Spitze. Dieses mal habe ich mich gegen die Nahtverdeckte Variante entschieden. Stattdessen ist er gut versteckt unter einem Übertritt.




 



Bald wird es auch ein Video geben, in dem ich euch zeige, wie ihr gemusterte Stoffe perfekt, ohne eine einzige Stecknadel und ohne die Nerven zu verlieren zusammen nähen könnt. Natürlich mit exaktem Mustermatch!

Bis dahin.. Lieben Gruß,

* Julia


Verlinkt bei MeMadeMittwoch.

Montag, 6. Februar 2017

Nähen 2.0 - Neue Stoffe, neue Schnitte und andere Herausforderungen

Das neue Nähjahr ist schon wieder etwas über einen Monat alt und ich bin schon völlig in neuen Projekten abgetaucht. Wollt ihr wissen, was ich mir dieses Jahr vorgenommen habe? Dann sollet ihr auf jeden Fall dran bleiben. Ich werde meine Nähkomfortzone verlassen.


Nähgarne in meinen Lieblingsfarben



Für dieses Jahr habe ich mir ganz neue Materialen ausgesucht und auch schnitttechnisch möchte ich mich weiterentwickeln. Meine Pläne werden mich sicherlich an die ein oder andere Grenze treiben. Aber genau das macht mir Spaß, neues Ausprobieren und danach immer ein Stück besser zu sein. Dann ist kein Ziel zu hoch.


Herausforderung Nr. 1 - Membran & Laminate


Der Ursprung kommt aus einer weiteren Leidenschaft - der ein oder andere Instagram-Insider hat vielleicht schon eine Idee. Skifahren!
Ich liebe es im Winter in den Bergen unterwegs zu sein und die Pisten runter zu saußen. Die letzten Wochenenden stand ich deshalb auch lieber auf den Brettern unterwegs als am Gaspedal der Nähmaschine. Warum nicht zwei Hobbies verbinden und die nächste Skiklamotte einfach selber nähen?


Skiklamotten - selber nähen? Geht!


Mittlerweile ist es relativ leicht an die ganzen Zutaten zu gelagen und es gibt einige Mutige, die bereits Gore-Tex Jacken oder Outdoor-Hosen selbst genäht haben. Das heißt es muss also zu schaffen sein. Vor allem, wenn man durch so manche Foren liest, scheinen es wohl oft Männer zu sein. Sie sagen sich, wenn die Jacke 800€ kostet, kauf ich mir lieber ne Nähmaschine für 200€ und das Material und näh mir das selbst?! Schräg!

Naja gut, ich bin auch so. :D

Ich habe auf jeden Fall das Ganze Internet nach allen Nähtipps für Gore-Tex und Co. abgegrast und ich sage euch: Kleben statt Nähen wird hier das neue Motto. Lasst euch überraschen!


Nächster Schritt - Active Wear


Eigentlich ist es die logische Konsequenz aus der ersten Herausforderung. Irgendwas muss man ja immer als Funktionsschicht beim Skifahren anziehen und da gibt es vieeeel zu kaufen. Aber langweilig in schwarz, weiß und sonstigen schnöden uni-Farben.

Es gibt aber noch einen weiteren Grund: meine geliebte Overlock vereinsamt etwas. Da mich Jersey bisher immer gelangweilt hat, hab ich etwas neues entdeckt - Lycra!


Lycra Stoffe für Funktionskleidung


Ich hab mir schonmal ein paar Stoffproben bestellt. Da hüpft auch die Overlock vor Freude und ich kann die ganze Stichpalette ausprobieren. Fehlt nur noch ein passendes Bausgarn und ich kann die passende Ski- bzw. Sportunterwäasche nähen, falls es bis dahin schon Sommer sein sollte.


Die Kür - Draping der Meisterklasse


Vor einiger Zeit habe ich mir bereits die Technik der Schnittkonstruktion angeeignet. Obwohl ich es am Anfang schwierig fand brauchbare Resultate zu erzielen, hat es mich nie losgelassen. Für den Durchbruch und auch gleichzeitig einige Lichtblicke mehr hat dann der Draping & Moulage Kurs gebracht, den ich letztes Jahr an der ESMOD in Berlin besucht habe.


Die neuen Lieblingsbücher zum Nähen: Pattern Magic


Mit dem Drapieren eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten bei der Schnitterstellung. Eine absolute Meisterin darin ist Tomoko Nakamich. Sie unterrichtet am Bunka Fashion College in Japan und ist die Autorin der berühmten Bücherreihe "Pattern Magic"*.


Pattern Magic - Draping in der Meisterklasse


Ist das nicht abgefahren?! Das muss ich ausprobieren.

Mit was forderst du dich dieses Jahr nähtechnisch heraus?

Liebe Grüße,

* Julia

Verlinkt mit Zwergstücke.

Donnerstag, 29. Dezember 2016

Wie du Zeit sparen kannst bei der Schnittanpassung: In 5 Schritten zum Kellerfalten-Kleid

Spätestens seit der letzten Staffel "Geschickt eingefädelt" und Guido Maria Kretschmers Nähtutorial sind die Kellerfalten jeder Hobbyschneiderin ein Begriff. Die Kandidaten waren aufgefordert ein Faltenkleid zu nähen und die Ergebnisse waren einfach traumhaft. Ein Rockteil mit Kellerfalten eignet sich perfekt um Muster mit einem Rapport bzw. einer Bordüre zu verarbeiten, denn die Saumlinie bleibt immer gerade. Und das Beste ist, man braucht noch nicht mal ein Schnittmuster. Wie das funktioniert könnt ihr in der Anleitung im zweiten Teil des Posts nachlesen.


In meinem letzten Blogpost habe ich einige Inspirationen für ein Sommerkleid für meinen Mexikourlaub gepostet. Nachdem Svea von Pulsenote mir bei meinem letzten Blogpost einen guten Tipp gegeben hat für ein Kleid mit Prints.. nämlich Kleider im 50s Stil (wie Burdastyle 104 05/2014) stand auf jeden Fall fest, dass es schnittmustertechnisch in diese Richtung gehen würde.

Um Zeit zu sparen habe ich ein bestehendes Schnittmuster von einem gut sitzenden Etuikleid abgewandelt (den Schnitt habe ich zum Beispiel bereits für das Dolce&Gabbana Kleid oder das Chanel Kleid verwendet). Diese Methode kann ich euch nur empfehlen. Das Etuikleid ist eines meiner bestgehüteten Schnittmuster überhaupt ;-)
Falls ihr wie ich aus einem Oberteil mit Ärmeln ein ärmelloses Schnittteil erstellen möchtet, solltet ihr den Sitz des Armlochs noch einmal überprüfen. Für einen bequemen Ärmelsitz ist im Schnitt in der Regel Mehrweite enthalten. Diese wird für die ärmellose Variante wieder entfernt, indem ca. 1-1,5cm von der Seitennaht zur Taille auslaufend an Vorder- und Rückenteil entfernt werden.



Das Oberteil erhält noch eine weitere Anpassung. Denn ich habe einen wahnsinnig schönen Spitzenstoff entdeckt, an dem ich einfach nicht vorbeigehen konnte. Das Rückenteil ist komplett aus Spitze und vorne der Teil oberhalb der Brust.




Bei Dawanda habe ich diesen tollen "Frida la Catrina" Stoff aus der Folklorico Kollektion von Alexander Henry gefunden. (Leider ist er momentan ausverkauft, hier* gibts aber jede Menge traumhafte Alexander Henry Stoffe) Die Stoffhälfte mit den Mustern und Catrinamotiven bietet sich perfekt als Rockteil an. Der restliche Teil mit den einzelnen Blüten auf dem blauen, fast schon lilanen Stoff bietet sich für das Oberteil des Kleids an.

Fehlt nur noch der letzte Teil des Schnittmusters: der Rock!


Anleitung: Rock mit Kellerfalten ohne Schnittmuster nähen


Für ein solchen Rock benötigst du ein rechteckiges Stoffstück und einen Markierstift oder Schneiderkreide.


1. Schritt: den Taillenumfang abmessen

Diesen misst du entweder direkt am Körper, wenn du nur einen Rock nähen möchtest. Oder am Schnittmuster, falls du den Rock wie ich an einem Kleid ansetzen möchtest.


2. Schritt: Länge und Saumumfang des Rockteils bestimmen

Erst teilst du den Taillenumfang durch die gewünschte Anzahl der Falten um die Breite der Falten zu bestimmen. Dann teilst du ebenfalls die Differenz aus Saum- und Taillenumfang durch die Faltenanzahl, damit du weißt welchen Betrag du in die Falten legen musst.

Taillenumfang / Anzahl der Falten = Faltenbreite

(Saumumfang - Taillenumfang) / Anzahl der Falten = Tiefe der Kellerfalte

Je nachdem wieviel Stoff du verarbeiten möchtet, kann es sein, dass du ein bisschen probieren mustt, bis du die optimale Aufteilung für die Kellerfalten gefunden hast.
Bei der Rocklänge habe ich mich für Knielang entschieden. Der Umfang war bei mir durch das Muster vorgeben. Ein Rapport beträgt bei meinem Stoff ca. 61cm, also hatte ich die Wahl zwischen ca. 120cm oder ca. 180cm Umfang. Ich habe mich schließlich für letzteres entschieden, da ich die etwas ausgestelltere Rockvariante für dieses Kleid schöner finde. Und irgendwie ist es mir auch sehr schwer gefallen über einen halben Meter dieses tollen Musters unverarbeitet zu lassen.

Beispiel: Taillenumfang 72 cm / 8 Falten = 9 cm Faltenbreite

(Saumumfang 180 cm  - Taillenumfang 72 cm) / 8 Falten = 13,5 cm Tiefe der Kellerfalte


3. Schritt: Falten anzeichnen

Beginne beim Anzeichnen mit einer halben Kellerfalte (x/2). Zeichne dann Abwechselnd Faltenbreite (o) und Kellerfalten (x) an bis du nur noch eine halbe Kellerfalte übrig hast. So verschwindet die hintere Mitte in einer Falte.

In diesem Beispiel: Halbe Kellerfalte 6,8 cm // 9 cm Faltenbreite // 13,5 cm Kellerfalte // 9 cm // 13,5 cm ... // 6,8 cm


4. Schritt: Falten legen und steppen

Die Markierungen werden nun aufeinander gelegt und ca. 2 cm lang absteppen. Das Absteppen müsste man nicht unbedingt machen. Ich habe mich dafür entschieden, damit die Falten nicht direkt an der Taille aufspringen und so etwas weniger auftragen.

Die genähten Falten, die nun auf der Innenseite des Rockteils liegen, werden flach auf das Rockteil gesteckt und flach gebügelt. Am besten näht man diese auf der Nahtzugabe auf dem Rock fest, das erleichtert das Zusammennähen mit dem Oberteil später.


5. Schrit: den Rock an der hinteren Mitte zusammennähen.

Jetzt ist es fast geschafft. Nur noch die hintere Mitte zusammennähen und fertig ist der Rock.


Ich wünsche euch viel Spaß beim Ausprobieren! Falls ihr Fragen zu der Anleitung habt, beantworte ich sie euch gerne in den Kommentaren. Ich freue mich aber auch über Anregungen oder Links zu euren Kreationen, bei denen ihr Kellerfalten verarbeitet habt.

Lieben Gruß,

* Julia